{"id":340,"date":"2009-04-07T20:26:42","date_gmt":"2009-04-07T19:26:42","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.adrianlang.de\/?p=340"},"modified":"2009-04-07T20:27:35","modified_gmt":"2009-04-07T19:27:35","slug":"republica-2009-tag-2-und-3","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.adrianheine.de\/?p=340","title":{"rendered":"re:publica 2009 Tag 2 und 3"},"content":{"rendered":"<p>Heute ging die dritte re:publica mit ihrem dritten Tag zuende. Nachdem mich der erste Tag eher entt\u00e4uschte setzte ich Hoffnungen vor allem in die kleineren Vortr\u00e4ge in der Kalkscheune.<!--more--><\/p>\n<p>Der zweite Tag begann f\u00fcr mich mit Peter Glasers Vortrag \u201e<a href=\"\/\/programm.re-publica.de\/2009\/events\/350.de.html\" title=\"\u201eInternet und Ethik\u201c auf der Website der re:publica 2009\">Internet und Ethik<\/a>\u201c \u2013 unterhaltsam, aber inhaltlich ist bei mir nichts h\u00e4ngengeblieben. Danach folgte \u201e<a href=\"\/\/programm.re-publica.de\/2009\/events\/351.de.html\" title=\"\u201eDigitale Identit\u00e4t\u201c auf der Website der re:publica 2009\">Digitale Identit\u00e4t<\/a>\u201c von Tina G\u00fcnther und Christiane Link mit interessanten Gedanken zu Identit\u00e4tsmodellierung und -management, Vermischung von professioneller und privater Identit\u00e4t.<\/p>\n<p>Mit \u201e<a href=\"\/\/programm.re-publica.de\/2009\/events\/319.de.html\" title=\"\u201eFeministische Netzkultur\u201c auf der Website der re:publica 2009\">Feministische Netzkultur<\/a>\u201c erwartete ich nun den interessantesten Vortrag des Tages. Katrin R\u00f6nicke und zwei andere Autorinnen von <a href=\"\/\/maedchenmannschaft.net\">M\u00e4dchenmannschaft<\/a> sprachen \u00fcber \u2013 wie das Thema schon andeutet \u2013 feministische Blogs wie <a href=\"\/\/feministing.com\">feministing.com<\/a>, <a href=\"\/\/maedchenblog.blogsport.de\">M\u00e4dchenblog<\/a> und eben M\u00e4dchenmannschaft selbst. Abgesehen von der Feministing-Community scheinen andere Bereiche des Web 2.0 wenig feministisch genutzt zu werden. Eine \u00e4hnliche Community ist auch um M\u00e4dchenmannschaft herum geplant, mal sehen was da wird. Weiter ging es um negative Kommentare und Beleidigungen im feministischen Blogbetrieb \u2013 ein Problem, das es in anderen Blogs meiner Meinung nach genauso gibt. Gerade Grundsatzfragen scheinen h\u00e4ufig in Kommentaren aufzutauchen; der M\u00e4dchenblog hat bsw. f\u00fcr das Thema \u201eAbtreibungen\u201c eine eigene Seite angelegt auf die in einem solchen Fall verwiesen wird. Das halte ich f\u00fcr einen sehr sinnvollen Ansatz, der bei M\u00e4dchenmannschaft leider nicht genutzt wird.<\/p>\n<p>Es folgte mit <a href=\"\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Lawrence_Lessig\" title=\"\u201eLawrence Lessig\u201c in Wikipedia, die freie Enzyklop\u00e4die\">Lawrence Lessig<\/a> der erste der importierten, hochkar\u00e4tigen Redner. Der Jurist Lessig ist Initiator von Creative Commons, und \u2013 ebenso wie die anderen US-Amerikaner, aber anders als die meisten Deutschen \u2013 ein sehr guter Redner. Selbst wenn ich seine Aussagen nicht radikal genug fand und Creative Commons nicht besonders sch\u00e4tze war der Vortrag sehr \u00fcberzeugend und von ganz anderer Qualit\u00e4t als die meisten anderen. Ebenfalls sehr \u00fcberzeugend war <a href=\"\/\/monochrom.at\" title=\"Offizielle Website von monochrom\">monochrom<\/a> in Person von Johannes Grenzfurthner.<\/p>\n<p>Hochkar\u00e4tig ging es auch am n\u00e4chsten und letzten Tag weiter. Esra\u2019a Al Shafei <a href=\"\/\/programm.re-publica.de\/2009\/events\/362.de.html\" title=\"\u201ePolitical evolution: Social Media in the Mideast\u201c auf der Website der re:publica 2009\">berichtete<\/a> \u00fcber politischen Aktivismus im Nahen Osten. Dabei spannte sie den Bogen von <a href=\"\/\/freekareem.org\" title=\"Offizielle Website von Free Kareem\">Free Kareem<\/a>, einer Solidarit\u00e4tsaktion f\u00fcr einen inhaftierten Islam-kritischen Blogger aus \u00c4gypten, \u00fcber die Unterst\u00fctzung von Minderheiten wie den <a href=\"\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Kurden\" title=\"\u201eKurden\u201c in Wikipedia, die freie Enzyklop\u00e4die\">Kurden<\/a> in Irak, Iran, Syrien und der T\u00fcrkei bis zu den in den meisten islamischen L\u00e4ndern verfolgten <a href=\"\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Bahai\" title=\"\u201eBahai\u201c in Wikipedia, die freie Enzyklop\u00e4die\">Bahai<\/a>. Auch Frauen sind als Opfer h\u00e4uslicher Gewalt oder alleinstehende M\u00fctter ein wichtiges Thema der Szene, die sich unter anderem um das Portal <a href=\"\/\/mideastyouth.com\" title=\"Die Website Mideast Youth\">Mideast Youth<\/a> entwickelt hat. Sehr interessant fand ich den Aspekt, dass es vielen B\u00fcrgern arabischer Staaten verboten ist, Kontakt mit Israelis zu haben; dieser kann daher deutlich leichter im Internet hergestellt werden.<\/p>\n<p>Direkt auf den beeindruckenden Vortrag folgte eine <a href=\"\/\/programm.re-publica.de\/2009\/events\/391.de.html\" title=\"\u201eAxis? What axis?\u201c auf der Website der re:publica 2009\">Podiumsdiskussion<\/a> mit Mary C. Joyce, Esra\u2019a Al Shafei und Mercedes Bunz. Interessant fand ich Esra\u2019as Bemerkung \u00fcber die unterschiedlichen Themen des virtuellen Aktivismus im Westen und Nahen Osten. Sie sprach von einem Kulturschock als sie feststellte, dass sich im Westen \u00fcber Klimawandel und andere Themen unterhalten wird, w\u00e4hrend es bei politischem Aktivismus im Nahen Osten direkt um Leben und grundlegende Freiheiten geht.<\/p>\n<p>Mit Jimbo Wales und Cory Doctorow folgten zwei weitere sehr bekannte und noch bessere Redner. Vor allem Cory konnte ohne Pr\u00e4sentation sehr \u00fcberzeugen, wenn auch vor recht kleinem Publikum. Jimbo stellte Wikipedia, Wikimedia und Wikia vor \u2013 alles keine Neuigkeiten f\u00fcr mich, aber doch nett. Der Science-Fiction-Autor Cory sprach \u00fcber Urheberrechte und neue Gesch\u00e4ftsmodelle. <\/p>\n<p>\u201e<a href=\"\/\/programm.re-publica.de\/2009\/events\/331.de.html\" title=\"\u201eWenn Frauen bloggen: Warum Babykotze genauso relevant ist wie das iPhone\u201c auf der Website der re:publica 2009\">Wenn Frauen bloggen: Warum Babykotze genauso relevant ist wie das iPhone<\/a>\u201c \u2013 was habe ich mich \u00fcber diesen Titel ge\u00e4rgert. Als w\u00e4ren bloggende Frauen eine Anomalie, eine Besonderheit. Als w\u00fcrden Frauen nur \u00fcber Babykotze bloggen. Als w\u00e4re Babykotze irgendetwas Frauenspezifisches. Als w\u00fcrde es so etwas wie Relevanz bei Blogs geben. Als w\u00e4re die iPhone-Dichte bei den anwesenden Frauen nicht genau so hoch wie bei den M\u00e4nnern. Ge\u00e4rgert. Vermutlich gerade deshalb war ich um 15 Uhr im Kleinen Saal der Kalkscheune \u2013 \u00fcbrigens laut Markus Beckedahl selbstgew\u00e4hlt, er hatte f\u00fcr die Veranstaltung den Gro\u00dfen Saal angeboten \u2013, um mir das was ich sp\u00e4ter als \u201eBloggerinnen-Zoo\u201c bezeichnen w\u00fcrde, anzugucken. Vor mir sa\u00dfen f\u00fcnf bloggende Frauen; zwei f\u00fchrten eher private, aber anscheinend sehr bekannte \u201eTagebuch-Blogs\u201c, eine war beim M\u00e4dchenblog aktiv, eine Mitarbeiterin in einem haupts\u00e4chlich auf Mode spezialisierten Blog und die letzte bloggte \u2013 genau \u2013 \u00fcber iPhones und andere Apple-Produkte. Diese gemischte Runde unterhielt sich also \u00fcber das Bloggen \u00fcber \u201eFrauenthemen\u201c (Selbstverst\u00e4ndlich wurde der feministischen Pflicht bewusst dieses Wort nur in Anf\u00fchrungszeichen gesprochen) und \u201eFrauenneurosen\u201c. Weder das Podium noch das Publikum hatten eine klare Vorstellung davon, worum es in der Runde gehen sollte \u2013 die Themen, \u00fcber die die Anwesenden bloggen? Bloggen als Frau? Die Diskussion verkam zu einem recht oberfl\u00e4chlichen Austausch verschiedener Standpunkte zu Feminismus.<\/p>\n<p>32 von 47 Rednern und Rednerinnen, die ich auf der re:publica sah, waren m\u00e4nnlich. Von den 15 Frauen waren 8 explizit als Frauen anwesend, und nur nachrangig aufgrund ihrer T\u00e4tigkeit. Dabei gibt es durchaus tolle deutsche Bloggerinnen, die auch eine gro\u00dfe Bedeutung und Leserzahl haben \u2013 die 5 Bloggerinnen von der \u201eWenn-Frauen-Bloggen\u201c-Diskussion sind hervorragende Beispiele. Dennoch unterhielten sich am Mittwoch 5 M\u00e4nner im Friedrichstadtpalast \u00fcber die deutsche Bloggerszene. Warum? Ein erstes Problem wird dadurch verdeutlicht, dass keine der Frauen aus dem Kleinen Saal dazu bereit gewesen w\u00e4re, an der gro\u00dfen Diskussion teilzunehmen. Bescheidenheit, Sch\u00fcchternheit, mangelndes Interesse \u2013 ich wei\u00df nicht, was der Grund daf\u00fcr ist. Jedenfalls wollte von den 5 Frauen, die sich als repr\u00e4sentativ f\u00fcr die weibliche Bloggerszene sahen, keine die deutschen Blogger allgemein vertreten. Das ist insbesondere schade, da sie so die Gelegenheit, Vorbilder gerade auch f\u00fcr Frauen darzustellen, verpasst haben. Weibliche Vorbilder, wie sie k\u00fcrzlich erst am Ada Lovelace Day von \u00fcber tausend Bloggern pr\u00e4sentiert und f\u00fcr n\u00f6tig befunden wurden.<\/p>\n<p>Insbesondere der dritte Tag hat mich etwas mit der re:publica vers\u00f6hnt. Haupts\u00e4chlich daf\u00fcr verantwortlich waren allerdings die importierten Redner und Rednerin, die inhaltlich wie auch formal die Deutschen deklassierten. Und das, obwohl sie bsw. mit ausschlie\u00dflich deutschsprachiger Zwischen- und Fragerundenmoderation konfrontiert wurden. Auch beim Zeitplan gl\u00e4nzte die Konferenz mit Unprofessionalit\u00e4t \u2013 schon der zweite Vortrag am Freitag begann eine halbe Stunde zu sp\u00e4t. Zusammen mit der Technik bleibt noch einiges nachzubessern f\u00fcr die Organisatoren.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Heute ging die dritte re:publica mit ihrem dritten Tag zuende. 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