{"id":485,"date":"2009-05-14T10:44:47","date_gmt":"2009-05-14T09:44:47","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.adrianlang.de\/?p=485"},"modified":"2017-05-20T15:55:32","modified_gmt":"2017-05-20T14:55:32","slug":"politcamp09","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.adrianheine.de\/?p=485","title":{"rendered":"PolitCamp09"},"content":{"rendered":"<p>Am 2. und 3. Mai fand in Berlin das <a href=\"\/\/politcamp09.de\" title=\"Offizielle Website des PolitCamp09\">erste Politcamp Deutschlands<\/a> statt. Im Radialsystem V sollte Barcamp-artig \u00fcber Politik, Web und insbesondere alle Schnittpunkte dieser beiden Themen diskutiert werden.<!--more--><\/p>\n<p><a href=\"\/wp-content\/uploads\/2009\/05\/p5023922.jpg\"><img loading=\"lazy\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2009\/05\/p5023922-300x225.jpg\" alt=\"Der Saal bei der Session zu Internetsperren auf dem PolitCamp\" title=\"Der Saal bei der Session zu Internetsperren auf dem PolitCamp\" width=\"300\" height=\"225\" class=\"alignright size-medium wp-image-487\" srcset=\"https:\/\/blog.adrianheine.de\/wp-content\/uploads\/2009\/05\/p5023922-300x225.jpg 300w, https:\/\/blog.adrianheine.de\/wp-content\/uploads\/2009\/05\/p5023922-1024x768.jpg 1024w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a> Der Samstag begann mit der Twitter-Session, in der sich Volker Beck (Gr\u00fcne), Frank Sch\u00e4ffler (SPD), Matthias Groote (FDP) und Nicole Simon \u00fcber twitternde Politiker unterhielten. Mir vermittelte sich w\u00e4hrend des gut dreiviertelst\u00fcndigen Gespr\u00e4ches nicht, was Mikroblogging wesentlich von anderen Propagandamitteln unterscheidet; Volker Beck best\u00e4tigte das Fehlen einer Besonderheit indirekt, indem er behauptete, der R\u00fcckkanal \u201eTwitter\u201c w\u00e4re nur verwendbar, weil er noch nicht zu \u00fcberf\u00fcllt sei \u2013 mit mehr Nutzern m\u00fcsse auch dieses Medium vom B\u00fcro \u00fcbernommen werden. Damit ist Twitter aus meiner Sicht sogar kontraproduktiv, da es nur einer Elite von Personen die Beteiligung erlaubt, die auch so leicht partizipieren. Dass das Entstehen einer anderen Politikkultur durch Mikroblogging gar nicht gew\u00fcnscht ist, machte Nicole Simon nebenbei deutlich, als sie die \u201eGefahr\u201c beschwor, ungeschulte Parteimitglieder k\u00f6nnten \u201egef\u00e4hrliche\u201c Aussagen treffen.<\/p>\n<p>Diese beiden Themen besch\u00e4ftigten mich immer wieder auf dem Politcamp. Einerseits: Wie l\u00e4sst sich das Web zur \u00dcberwindung von Barrieren (Vereinfachung von Partizipation durch Reduzierung des zeitlichen Aufwands und einfache Zug\u00e4nglichmachung von M\u00f6glichkeiten) nutzen, ohne neue (soziale, demographische, technische) einzuf\u00fchren. Andererseits die Feststellung, dass selbst die anwesenden Parteipolitiker und -mitarbeiter \u00fcberwiegend daran interessiert sind, Personen im Internet mit ihrer Propaganda zu versorgen.<\/p>\n<p><a href=\"\/wp-content\/uploads\/2009\/05\/p5023925.jpg\"><img loading=\"lazy\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2009\/05\/p5023925-300x161.jpg\" alt=\"Das Studio C beim PolitCamp\" title=\"Das Studio C beim PolitCamp\" width=\"300\" height=\"161\" class=\"alignleft size-medium wp-image-489\" srcset=\"https:\/\/blog.adrianheine.de\/wp-content\/uploads\/2009\/05\/p5023925-300x161.jpg 300w, https:\/\/blog.adrianheine.de\/wp-content\/uploads\/2009\/05\/p5023925-1024x552.jpg 1024w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a> Ein wichtiges Thema waren Statistiken; welche Themen, welche Personen, welche Parteien wurden in den gro\u00dfen sozialen Netzwerken und Blogs wie wahrgenommen oder \u00fcberhaupt behandelt? Die Ergebnisse \u2013 so sie vorgestellt wurden \u2013 waren wenig \u00fcberraschend: Die Parteien haben das Internet kaum entdeckt, am Weitesten vorne sind Gr\u00fcne, SPD und FDP. Spezifische Onlinekampagnen sind nicht vorhanden, die Reichweite der Parteiangebote ist eher gering.<\/p>\n<p>In einer der wenigen inhaltlichen Sessions stellte Alvar Freude Internetsperren und die Kritikpunkte in hervorragender Klarheit dar. Ein Administrator von <a href=\"\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Strato\" title=\"\u201eStrato\u201c in Wikipedia, die freie Enzyklop\u00e4die\">Strato<\/a> wusste zu berichten, dass seit 2000 weniger als ein halbes Dutzend F\u00e4lle von Kinderpornografie auf ihren Servern vorkamen. Alle wurden von zuf\u00e4lligen Besuchern gemeldet. Das BKA war ebenso wie andere Polizeibeh\u00f6rden nie pr\u00e4sent und meist ablehnend, wenn es um Strafverfolgung ging.<\/p>\n<p><a href=\"\/wp-content\/uploads\/2009\/05\/p5033968.jpg\"><img loading=\"lazy\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2009\/05\/p5033968-300x225.jpg\" alt=\"Das Deck zersetzt den revolution\u00e4ren Geist des Volkes\" title=\"Das Deck zersetzt den revolution\u00e4ren Geist des Volkes\" width=\"300\" height=\"225\" class=\"alignright size-medium wp-image-494\" srcset=\"https:\/\/blog.adrianheine.de\/wp-content\/uploads\/2009\/05\/p5033968-300x225.jpg 300w, https:\/\/blog.adrianheine.de\/wp-content\/uploads\/2009\/05\/p5033968-1024x768.jpg 1024w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a> Zur politischen Partizipation \u00fcber das Internet gab es eine Session, in der <a href=\"\/\/e-demokratie.org\">e-demokratie.org<\/a> vorgestellt wurde. Zu Themen wie der Hamburger <a href=\"\/\/belebte-bruecke.de\">Living Bridge<\/a> wurden Argumente in Wikis gesammelt, wobei jede Position ein eigenes Wiki bekam. Auch B\u00fcrgerhaushalte wurden so realisiert. Insgesamt scheinen die Angebote aber nur von wenigen genutzt zu werden.<\/p>\n<p>In \u201eOnline B\u00fcrgerdialoge mit 100.000 Menschen und mehr\u201c wurde ein <a href=\"\/\/wds.oneaim.org\">gro\u00dfes Projekt<\/a> zur Erstellung einer freien Software f\u00fcr politische Diskussionen im Web vorgestellt. Interessant war die Betonung des Bedarfs f\u00fcr offene Protokolle, freie Software und verteilte, offene Systeme. Dabei wurde das W3C wegen des Vertretens kommerzieller Interessen angegriffen. Das von Wissenschaft und Beh\u00f6rden mitgetragene Projekt wirkt ambitioniert, ob das Ergebnis insbesondere die n\u00f6tige Einfachheit der Bedienung bieten wird ist jedoch fraglich. Als Kommunikationsmittel sollen beispielsweise Wikis, Mailinglisten und Open spaces unterst\u00fctzt werden; der Referent erw\u00e4hnte auch das Interesse, Dialogmethoden aus und f\u00fcr anderen Kulturkreisen anzubieten. Die interessante und offene Diskussion besch\u00e4ftigte sich mit diversen, mal technischen, mal soziologischen Themen.<\/p>\n<p><a href=\"\/wp-content\/uploads\/2009\/05\/p5023945.jpg\"><img loading=\"lazy\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2009\/05\/p5023945-300x177.jpg\" alt=\"Das Deck bei der Session \u201eJugend und Partizipation\u201c\" title=\"Das Deck bei der Session \u201eJugend und Partizipation\u201c\" width=\"300\" height=\"177\" class=\"alignleft size-medium wp-image-490\" srcset=\"https:\/\/blog.adrianheine.de\/wp-content\/uploads\/2009\/05\/p5023945-300x177.jpg 300w, https:\/\/blog.adrianheine.de\/wp-content\/uploads\/2009\/05\/p5023945-1024x604.jpg 1024w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a> In der Session \u201eJugend und Mobilisierung\u201c wurde sehr schnell als Konsens festgestellt, dass Jugendliche sich zu wenig politisch engagieren. Als wichtiger Grund wurden die Themen klassischer Politik genannt, insbesondere die fehlende Besch\u00e4ftigung mit f\u00fcr Jugendliche relevante Themen. Als positiv wurden Konzepte wie Onlinekampagnen und -petitionen genannt. Diese w\u00fcrden im Erfolgsfall das Gef\u00fchl geben, politisch Einfluss nehmen zu k\u00f6nnen, und so zu weiteren Aktivit\u00e4ten motivieren. Bedenklich \u2013 wenn auch nicht neu \u2013 war die \u00dcberlegung, dass Bedrohungen wie die geplanten Internetsperren n\u00f6tig sind, um Menschen zu politischem Engagement zu mobilisieren. <\/p>\n<p>In einer sehr freien Session auf dem wundersch\u00f6nen Deck des Radialsystem V konnte mich der SPD-Spitzenkandidat f\u00fcr Schleswig-Holstein, Ralf Stegner, davon \u00fcberzeugen, dass es wirklich angenehme Sozialdemokraten, die zumindest die richtigen politischen Ideen haben, gibt. Ich frage mich nur, wo das zwischen nettem Gespr\u00e4ch und Amt h\u00e4ngenbleibt.<\/p>\n<p><a href=\"\/wp-content\/uploads\/2009\/05\/p5023946.jpg\"><img loading=\"lazy\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2009\/05\/p5023946-300x176.jpg\" alt=\"Die K\u00f6pi vom Radialsystem V aus\" title=\"Die K\u00f6pi von Radialsystem V aus\" width=\"300\" height=\"176\" class=\"alignright size-medium wp-image-492\" srcset=\"https:\/\/blog.adrianheine.de\/wp-content\/uploads\/2009\/05\/p5023946-300x176.jpg 300w, https:\/\/blog.adrianheine.de\/wp-content\/uploads\/2009\/05\/p5023946-1024x601.jpg 1024w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a>Die letzte Session war die Vorstellung des <a href=\"\/\/socialaction20.wordpress.com\/aktion-uwe\/\">Projekt Uwe<\/a>. Ein Obdachloser aus Hamburg wird von einem Blogger aus Hamburg unterst\u00fctzt. Schade war einerseits, dass die Anwesenden lediglich Obdachlosigkeit als das Problem dargestellt haben, obwohl es einerseits Menschen gibt, die diesen Lebensstil freiwillig w\u00e4hlen, und es andererseits dahinterstehende Ursachen gibt. Ideen, wie das Leben f\u00fcr die Betroffenen angenehmer gestaltet werden k\u00f6nnte \u00f6der Vorschl\u00e4ge zur Bek\u00e4mpfung der Ursachen gab es entsprechend nicht. So bleibt das Projekt eine nette Einzelaktion, die vielleicht einem oder wenigen helfen kann.<\/p>\n<p>Selbst f\u00fcr mich nicht besonders an Parteipolitik Interessierten war das Politcamp sehr anregend \u2013 umso verwunderlicher, dass anscheinend viele Besitzer einer der 600 Eintrittskarten nicht anwesend waren. Anders kann ich mir die gro\u00dfe Leere die insbesondere im Saal bei allen Veranstaltungen herrschte, nicht erkl\u00e4ren. Unter den Anwesenden hatten Gr\u00fcne und SPD klar die Mehrheit, einige SP\u00d6ler waren auch nach Berlin gereist. WLAN und Strom waren wie \u00fcblich Mangelware, daf\u00fcr gab es leckeres, kostenloses, veganes Essen und auch Wasser umsonst.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am 2. und 3. Mai fand in Berlin das erste Politcamp Deutschlands statt. 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