{"id":616,"date":"2009-08-12T08:14:45","date_gmt":"2009-08-12T07:14:45","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.adrianlang.de\/?p=616"},"modified":"2017-05-20T16:12:46","modified_gmt":"2017-05-20T15:12:46","slug":"keine-sinnentstellung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.adrianheine.de\/?p=616","title":{"rendered":"Keine Sinnentstellung"},"content":{"rendered":"<p>Die Piratenpartei hat einen Wahlspot; wie bereits erwartet fiel die Entscheidung auf den urheberrechtlich zumindest f\u00fcr mich als Dogmatiker sehr <a href=\"?p=603\" title=\"Adrian Heine: \u201eDie Piratenpartei und das Urheberrecht\u201c\">bedenklichen<\/a> Film \u201eKlarmachen zum \u00c4ndern\u201c. Aber gut, ich will den Streifen ja auch nicht einem Millionenpublikum im gr\u00f6\u00dften Fernsehsender Deutschlands zeigen. Es bleibt jedoch festzuhalten, dass Freunde gepflegter Urheberrechtsverwirrungen f\u00fcr ihr Am\u00fcsement nicht mehr auf Wikimedia Commons nach von argentinischen Lehrern in Kroatien angefertigten Photographien in Serbien angebrachter Michael-Jackson-Plakate suchen m\u00fcssen \u2013 mit den Wahlwerbefilmen der Piratenpartei tut sich ein ganz neues Feld auf.<!--more--><\/p>\n<p>Wie um das zu beweisen wurde gestern ein weiterer, zugegebenerma\u00dfen sehr professioneller <a href=\"https:\/\/youtube.com\/watch?v=3fQK2AV4gd8\" title=\"\u201eWahlwerbespot NEU\u201c von COGGY \u2013 www.coggy.de auf Youtube\">Vertreter<\/a> dieser Gattung auf YouTube ver\u00f6ffentlicht und prompt auf dem Marktplatz der Digitalen Bohem\u00e9 \u2013 Twitter \u2013 begutachtet und gefeiert. Die Autoren des Films wollten alles richtig machen, und so konnte die interessierte Urheberrechtsbegeisterte zu Beginn des Streifens die \u201eLizenzangabe\u201d \u201e(CC) Namensnennung, Weitergabe unter gleichen Bedingungen, keine kommerzielle Nutzung + keine Sinnentstellung\u201c lesen. Immerhin \u2013 die urheberrechtliche Situation der Musik scheint diesmal gekl\u00e4rt, denn sie steht unter der Lizenz \u201eCreative Commons \u2013 Namensnennung\u201c. Aber unter welcher Lizenz ist der Film freigegeben?<\/p>\n<p>Creative Commons ist ein Lizenzsystem, mit dem sich Autorinnen ihre Lizenz aus verschiedenen Bausteinen zusammensetzen kann. Dabei reichen die Einschr\u00e4nkungen von der Pflicht zur Namensnennung (\u201eby\u201c) \u00fcber das Verbot kommerzieller Verwendung (\u201enc\u201c \u2013 \u201enoncommercial\u201d) bis hin zur Verpflichtung, abgeleitete Werke unter der selben Lizenz zu ver\u00f6ffentlichen (\u201esa\u201c \u2013 \u201esharealike\u201c) \u2013 also dem klassischen <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Copyleft\" title=\"\u201eCopyleft\u201c in Wikipedia, die freie Enzyklop\u00e4die\">Copyleft<\/a>. Die wohl st\u00e4rkste Einschr\u00e4nkung stellt aber das Verbot s\u00e4mtlicher abgeleiteter Werke (\u201end\u201c \u2013 \u201enonderivative\u201c) dar. Unter den aus diesen Teilen zusammengesetzten Lizenzen k\u00f6nnen nur \u201eCC-by\u201c und \u201eCC-by-sa\u201c als freie Lizenzen gelten, alle anderen sind lediglich Formalisierungen der Gratisweitergabe, bei Software h\u00e4ufig und missverst\u00e4ndlich als \u201eFreeware\u201c bekannt.<\/p>\n<p>Zur\u00fcck zum neuen Piratenspot. Der soll vermutlich \u2013 so deutet das geklammerte \u201eCC\u201c an \u2013 unter einer Creative-Commons-Lizenz stehen. Aber welche? Eine Namensnennung ist erforderlich (\u201eCC-by\u201c). Eine kommerzielle Verwendung wird verboten (\u201eCC-by-nc\u201c). Auch abgeleitete Werke m\u00fcssen unter der selben Lizenz stehen, die sich damit zu \u201eCC-by-nc-sa\u201c ergibt. Eine letzte Klausel verbietet \u201eSinnentstellung\u201c. Mangels direkter Repr\u00e4sentation dieser Forderung im Creative-Commons-System interpretiere ich das als Verbot s\u00e4mtlicher Bearbeitungen \u2013 \u201end\u201c. Es liegt also eine Lizenz vor, die die Ersteller abgeleiteter Werke dazu verpflichtet, ihr Werk unter der selben Lizenz freizugeben, und das Erstellen abgeleiteter Werke verbietet. Eine solche Lizenz (Also mit \u201esa\u201c und \u201end\u201c) existiert selbstverst\u00e4ndlich nicht \u2013 es ergibt sich also \u201eCC-by-nc-nd\u201c als Lizenz, die unfreieste der Creative-Commons-Lizenzen und kaum mehr als eine Erlaubnis zum kostenfreien Anschauen und Weitergeben.<\/p>\n<p>\u201eSinnentstellung\u201c besch\u00e4ftigt die Internetprominenz gerade auch an anderer Stelle und aus anderer Perspektive. Netzpolitik.org hat in bekannter, bindestrichverachtender Weise zum \u201eRemixen\u201c \u2013 also dem Anfertigen \u201esinnentstellender\u201c Bearbeitungen \u2013 eines CDU-Wahlplakats <a href=\"http:\/\/netzpolitik.org\/2009\/der-schaeuble-plakat-remix-wettbewerb\/\" title=\"Markus Beckedahl: \u201eDer Sch\u00e4uble Plakat - Remix-Wettbewerb\u201c\">aufgerufen<\/a>. Prompt folgte die <a href=\"http:\/\/netzpolitik.org\/2009\/cdu-plakate-darf-man-nicht-remixen\/\" title=\"Markus Beckedahl: \u201eCDU-Plakate darf man nicht remixen?\u201c\">Drohung<\/a> einer Unterlassungsklage durch die Photographin. Hier entlarvt sich das internetausdruckende Establishment selbstverst\u00e4ndlich wieder als freiheits- und diskursfeindlich \u2013 Eigenschaften, die Netzpolitikern keinesfalls zugeschrieben werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Damit ich neben der Polemik auch mal wieder \u00fcber Inhalte schreibe, m\u00f6chte ich auch dem Inhalt des neuen Spots einen Absatz widmen. In diesem fordert unter anderem ein Gerd mit dem \u00fcblichen positiven Bezug auf das Grundgesetz, dass \u201eunsere Bundeswehr eine Verteidigungsarmee [\u2026] bleibt, und, dass unsere Bundeswehr nicht f\u00fcr andere Zwecke missbraucht wird\u201c. Wer das wie ich als das \u00fcbliche pazifistische Bekenntnis gegen Angriffskriege wie in Afghanistan deutet, liegt leider weit daneben. Ganz im Gegenteil geht es hier n\u00e4mlich nicht darum \u201edie Jungs heimzuholen\u201d, damit sie nirgendwo Schaden anrichten, sondern sich nicht selbst mit ihnen rumschlagen zu m\u00fcssen: es geht um die Ablehnung des Bundeswehreinsatzes im Inneren. Anders als die Verhinderung von Bundeswehreskorten f\u00fcr Frau Merkel scheint ein Ende staatlichen Mordes f\u00fcr die Piratenpartei nur ein Nebeninteresse.<\/p>\n<p style=\"font-size:smaller;\">\u00dcbrigens, Adrians Blog steht unter der freien Creative-Commons-Lizenz \u201eCC-by-sa 3.0\u201c und damit allen Interessierten zur freien Nutzung zur Verf\u00fcgung. Als Namensnennung bevorzuge ich \u201eAdrian Heine\u201c. Ich garantiere daf\u00fcr, dass von mir verwendete Werke eine solche Verwendung zulassen. Genug Seitenhieb.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Piratenpartei hat einen Wahlspot; wie bereits erwartet fiel die Entscheidung auf den urheberrechtlich zumindest f\u00fcr mich als Dogmatiker sehr bedenklichen Film \u201eKlarmachen zum \u00c4ndern\u201c. Aber gut, ich will den Streifen ja auch nicht einem Millionenpublikum im gr\u00f6\u00dften Fernsehsender Deutschlands zeigen. 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