{"id":640,"date":"2009-09-07T20:58:05","date_gmt":"2009-09-07T19:58:05","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.adrianlang.de\/?p=640"},"modified":"2009-09-08T08:02:33","modified_gmt":"2009-09-08T07:02:33","slug":"7-millionen-piraten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.adrianheine.de\/?p=640","title":{"rendered":"7 Millionen Piraten"},"content":{"rendered":"<p>Fefe <a href=\"http:\/\/blog.fefe.de\/?ts=b45cbeac\" title=\"Felix von Leitner: \u201eWie erstunken und erlogen die Zahlenangaben der Contentmafia sind, \u2026\u201c\">\u00e4rgert<\/a> sich \u00fcber die unlautere \u201eContent-Mafia\u201c. Die hat seiner Meinung nach \u201e[Zahlenangaben] erstunken und erlogen\u201c. Und zwar h\u00e4tten die \u201ein England\u201c aus 136 Filesharern 7.000.000 gemacht.<!--more--><\/p>\n<p>Im Mai diesen Jahres titelten diverse Medien im Vereinigten K\u00f6nigreich, 7 Millionen Menschen w\u00fcrden \u201eillegal herunterladen\u201c (BBC: \u201e<a href=\"http:\/\/news.bbc.co.uk\/2\/hi\/technology\/8073068.stm\" title=\"BBC: \u201eSeven million &apos;use illegal files&apos;\u201c\">Seven million &#8218;use illegal files&#8216;<\/a>\u201c, Telegraph: \u201e<a href=\"http:\/\/www.telegraph.co.uk\/technology\/news\/5406577\/Illegal-downloads-used-by-seven-million-in-Britain.html\" title=\"Telegraph: \u201eIllegal downloads used by seven million in Britain\u201c\">Illegal downloads used by seven million in Britain<\/a>\u201c). Das regierungs- und wirtschaftsnahe Strategic Advisory Board for Intellectual Property Policy hatte diese Zahl in einem <a href=\"http:\/\/www.sabip.org.uk\/home\/pressrelease\/2009\/pressrelease-20090529.htm\" title=\"SABIP: \u201eNew report shows rise in economic losses sustained by unauthorised downloading\u201c\">Bericht<\/a> vorgestellt. Hervorgehoben wurden weiter die angeblich katastrophalen Auswirkungen auf die Wirtschaft und der Umstand, dass \u201c[Music downloading had] become part and parcel of the social fabric of our society despite its illegal status\u201d (\u201eDas Herunterladen von Musik ist trotz seiner Illegalit\u00e4t ein wesentliches Teil des sozialen Gef\u00fcges unserer Gesellschaft geworden\u201c). W\u00e4hrend einer Messung fanden die Wissenschaftler 1,3 Millionen (britische) Nutzer in einem Filesharing-Netzwerk. Als Problem bezeichnet wurde auch der Umstand, dass so viele Werke im Internet tats\u00e4chlich kostenlos oder sogar frei sind, und damit viele Menschen nicht erkennen k\u00f6nnten, ob es sich um legale Inhalte handelt. Ohne moralisch verbr\u00e4mten Begleittext sollte diese Studie eigentlich ein Gl\u00fccksfall f\u00fcr Sympathisanten der Piraten-Idee sein, macht er doch deutlich, wie weit die Ablehnung veralteter Verwertungskonzepte verbreitet ist. <\/p>\n<p>Gut drei Monate sp\u00e4ter besch\u00e4ftigen sich die selben Medien schlie\u00dflich mit den Hintergr\u00fcnden ihrer Berichte (PCPro: \u201e<a href=\"http:\/\/www.pcpro.co.uk\/news\/351331\/how-uk-government-spun-136-people-into-7m-illegal-file-sharers\" title=\"PCPro: \u201eHow UK Government spun 136 people into 7m illegal file sharers\u201c\">How UK Government spun 136 people into 7m illegal file sharers<\/a>\u201c, p2pnet: \u201e<a href=\"http:\/\/www.p2pnet.net\/story\/27965\" title=\"p2pnet: \u201e7 million Brits are file sharing criminals !?\u201c\">7 million Brits are file sharing criminals !?<\/a>\u201c). Als erstes f\u00e4llt auf, dass zumindest die 7 Millionen nicht aus der Studie stammen, auf der sich der SABIP-Bericht eigentlich st\u00fctzt, sondern aus einer \u00e4lteren, die direkt f\u00fcr die britische Lobbyorganisation British Phonographic Industry angefertigt wurde. Mittlerweile sind die Zahlen der lediglich von der Regierung finanzierten Nichtregierungsorganisation SABIP jedoch in der Presse zu \u201dBritish Government\u2018s official figures\u201c geworden, so dass ein handfester Skandal aufgebaut werden kann.<\/p>\n<p>Wesentlicher Bestandteil des Skandals ist der Umstand, dass die Studie gar nicht wirklich 7 Millionen Verbrecher ausfindig machte, sondern nur 136. Diese 136 ist die Anzahl an Haushalten (unter nur 1176 Befragten), die bereitwillig zugaben, illegal Musik getauscht zu haben. \u00dcblicherweise wird eine Umfrage mit einer Probengr\u00f6\u00dfe von 1176 Elementen als repr\u00e4sentativ und verwertbar angesehen; f\u00fcr Studien der Musikwirtschaft gilt dies aber offensichtlich nicht. Als Bonus wurde von der nachvollziehbaren These ausgegangen, nicht alle w\u00fcrden am Telefon bereitwillig einen Gesetzesbruch zugeben, und die Werte wurden etwas erh\u00f6ht. Warum gerade von 11.6% auf 16.3% bleibt fraglich, scheint aber, wenn auch methodisch \u00e4u\u00dferst unsauber so doch inhaltlich plausibel. Wie aus diesem Anteil schlie\u00dflich die 7 Millionen entstanden sind ist mir recht schleierhaft, die Anzahl an Haushalten mit Breitbandinternet scheint wohl eine Rolle zu spielen. Jedenfalls operieren die jetzt kritischen Medien ausgehend von den unverf\u00e4lschten Daten mit einem Wert von 3,9 Millionen Musiktauschern.<\/p>\n<p>Weder die Verflechtung von Wirtschaft und Politik, noch die Methodik der Studie oder die Leichtgl\u00e4ubigkeit der Medien stellt eine Besonderheit dar. Gerade Fefe sollte das wissen. Insbesondere der Punkt den Fefe heraushebt, n\u00e4mlich das statistische Hochrechnen, ist nicht nur g\u00e4ngige, sondern bekannte und akzeptierte Praxis \u2013 so funktionieren repr\u00e4sentative Umfragen. Das Ergebnis der Studie ist \u2013 so seltsam es auch zustande gekommen sein mag \u2013 politisch neutral, eine h\u00f6here Dichte an Kriminalisierten w\u00fcrde der Sache der Piratenparteien sogar zugute kommen. Meinungsverschiedenheiten mit der Lobby entstehen bei Analyse und Bewertung, und diese ist ohnehin weitgehend unabh\u00e4ngig von den Daten \u2013 auf beiden Seiten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Fefe \u00e4rgert sich \u00fcber die unlautere \u201eContent-Mafia\u201c. Die hat seiner Meinung nach \u201e[Zahlenangaben] erstunken und erlogen\u201c. Und zwar h\u00e4tten die \u201ein England\u201c aus 136 Filesharern 7.000.000 gemacht.<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[3],"tags":[367,215,365,366,369,368,280],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blog.adrianheine.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/640"}],"collection":[{"href":"https:\/\/blog.adrianheine.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blog.adrianheine.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.adrianheine.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.adrianheine.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=640"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/blog.adrianheine.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/640\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":645,"href":"https:\/\/blog.adrianheine.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/640\/revisions\/645"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blog.adrianheine.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=640"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.adrianheine.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=640"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.adrianheine.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=640"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}