{"id":853,"date":"2010-12-23T15:42:14","date_gmt":"2010-12-23T14:42:14","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.adrianlang.de\/?p=853"},"modified":"2010-12-23T15:42:14","modified_gmt":"2010-12-23T14:42:14","slug":"sprache-und-geschlecht-%e2%85%a1","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.adrianheine.de\/?p=853","title":{"rendered":"Sprache und Geschlecht \u2161"},"content":{"rendered":"<p>Vor zwei Monaten habe ich \u00fcber <a href=\"\/?p=848\">Sprache und Geschlecht<\/a> geschrieben. Seit dem gab es unter anderem einen beeindruckenden <a href=\"http:\/\/twitter.com\/frank_rieger\/status\/16978298659672065\">Tweet von Frank Rieger<\/a>. Auf diesen und andere neue Punkte m\u00f6chte ich hier eingehen. Auf andere Dinge, die ich schon im ersten Text beantwortet fand, habe ich noch mal in der insgesamt lesenswerten <a href=\"\/?p=848#comments\">Diskussion<\/a> Stellung bezogen (<a href=\"\/?p=848&#038;cpage=1#comment-30057\">@xbg<\/a>, <a href=\"\/?p=848&#038;cpage=1#comment-30089\">slowtiger<\/a>, <a href=\"\/?p=848&#038;cpage=1#comment-30585\">M<\/a>, <a href=\"\/?p=848&#038;cpage=1#comment-39501\">Avi<\/a>).<!--more--><\/p>\n<p>Zwei Punkte kamen mehrmals, obwohl ich dachte sie w\u00e4ren klar, darum wiederhole ich sie hier noch mal: 1. Es geht nicht um eine Neutralisierung von Sprache. \u201eStudierende\u201c lehne ich explizit im Text ab. Die englische Sprache ist keine Verbesserung \u2013 da gibt es halt kein generisches Maskulinum, sondern ein generisches Neutrum, in dem die Leute ihre Geschlecht-, Rasse-, Klasse-, Alter-, Aussehen-Kategorien unterbringen. 2. Ich missioniere nicht f\u00fcr die eine oder andere oder \u00fcberhaupt irgendeine geschlechtersensible Sprache. Ich wehre mich gegen Leute, die sich unter meinen beiden sch\u00f6nen Blogposts \u00fcber ihre Schmerzen angesichts meiner Sprache ausbreiten. Deshalb schrieb ich auch: \u201eSofern ihr euch nicht gerade in linksradikalen, tendenziell profeministischen Kreisen herumtreibt, werdet ihr wohl nie in die Verlegenheit kommen, euch zu rechtfertigen\u201c.<\/p>\n<h3>Die real existierende Rezeption<\/h3>\n<p>Autor_innen, die sich <a href=\"\/?p=848&#038;cpage=1#comment-30081\">Sorgen<\/a> \u00fcber die Rezeption ihres Textes machen, kann ich nur eines sagen: Zu recht. Es werden Beschwerden kommen, solange ihr nicht gerade f\u00fcr ein feministisches Publikum schreibt, und selbst da k\u00f6nnte es Diskussionen \u00fcber die richtige Technik geben. Ihr werdet euch \u00fcber Kommentare \u00e4rgern. Es wird die Diskussion vermutlich wie bei mir dominieren.<\/p>\n<p>Keine Sorgen solltet ihr euch um Leute machen, die euren Text aufgrund dieser Entscheidungen nicht lesen. Wer einen Text ohne das von euch gew\u00e4hlte Mittel lesen will, will nicht euren Text lesen, sondern eine Zusammenfassung in sein Hirn gepumpt kriegen. Euer Text mag kein <em>Faust<\/em> sein, ein Lexikoneintrag \u00fcber <em>Faust<\/em> ist er aber erst recht nicht. Ein extremes Beispiel ist der <a href=\"http:\/\/www.rosalux.de\/publication\/37014\/was-ein-rechter-mann-ist.html\">Sammelband \u00bbWas ein rechter Mann ist &#8230;\u00ab<\/a>, in dem Gender_gaps geradezu semantisch eingesetzt werden.<\/p>\n<h3>Von Lesbarkeit und Inhalten<\/h3>\n<p>Rieger hat eine Menge Probleme mit Texten mit Gender_gaps: Es fehle an \u201e<a href=\"http:\/\/twitter.com\/frank_rieger\/status\/17193533685374976\">Lesbarkeit<\/a>\u201c, er k\u00f6nne die \u201e<a href=\"http:\/\/twitter.com\/frank_rieger\/status\/17160787562856449\">Inhalte [nicht] rezipieren<\/a>\u201c, ein solcher Text w\u00fcrde \u201e<a href=\"http:\/\/twitter.com\/frank_rieger\/status\/17160579105947649\">den Flow<\/a>\u201c brechen und die Lesegeschwindigkeit \u201e<a href=\"http:\/\/twitter.com\/frank_rieger\/status\/17159676470755328\">halbieren<\/a>\u201c. Zusammengefasst: Solche Texte zu lesen ginge nicht \u201e<a href=\"http:\/\/twitter.com\/frank_rieger\/status\/17156707826270209\">ohne Schmerzen<\/a>\u201c.<\/p>\n<p>Dazu Folgendes: Eine Person, die die Lekt\u00fcre einer meiner Artikel aufgrund geschlechtersensibler Sprache abbricht, ist ein WIN. Leute, die sich von einem solchen Stilmittel so pers\u00f6nlich angegriffen f\u00fchlen, dass sie nicht weiterlesen k\u00f6nnen, konfrontiere ich lieber mit meinem Feminismus als dem \u201eeigentlichen Inhalt\u201c des Textes \u2013 da habe ich vermutlich mehr an Agitation als im eigentlichen Text.<\/p>\n<p>Rieger redet von Lesegeschwindigkeit und Lesbarkeit. Das ist selbstverst\u00e4ndlich Bl\u00f6dsinn \u2013 Menschen k\u00f6nnen sich schnell an alle m\u00f6glichen Schriftbilder gew\u00f6hnen, und grad sowas wie \u201e_innen\u201c ist leicht als zusammenh\u00e4ngendes Konstrukt zu erkennen. Die Geschwindigkeit, in der das Gelesene aufgenommen wird, mag allerdings in der Tat sinken, wenn alles erst einmal mit den eigenen (sexistischen) Kategorien in Einklang gebracht werden muss. So eine Auseinandersetzung kann sicher auch schon mal \u201eden Flow\u201c brechen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vor zwei Monaten habe ich \u00fcber Sprache und Geschlecht geschrieben. Seit dem gab es unter anderem einen beeindruckenden Tweet von Frank Rieger. Auf diesen und andere neue Punkte m\u00f6chte ich hier eingehen. 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