{"id":913,"date":"2013-01-31T22:39:41","date_gmt":"2013-01-31T21:39:41","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.adrianlang.de\/?p=913"},"modified":"2017-05-20T09:43:59","modified_gmt":"2017-05-20T08:43:59","slug":"mspropen-in-public","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.adrianheine.de\/?p=913","title":{"rendered":"mspropen in public"},"content":{"rendered":"<p>Am Montag <a href=\"http:\/\/blog.spackeria.org\/2013\/01\/25\/open-in-public-day-2013\/\">rief<\/a> die \u00bbdatenschutzkritische Spackeria\u00ab zum zweiten Mal zum \u00bbOpen in Public Day\u00ab (<em>oipd13<\/em>) auf. Letztes Jahr wurde dazu aufgerufen, m\u00f6glichst \u00bbpeinliche\u00ab Photos zu ver\u00f6ffentlichen. Dieses Jahr sollten die Teilnehmer_innen einen Tag lang alle Viertelstunde ein Photo oder Video aufnehmen, und diese ver\u00f6ffentlichen. ihdl hat eine sehr gute <a href=\"http:\/\/www.iheartdigitallife.de\/whos-open-in-public\/\">Kritik<\/a> zu der Veranstaltung selbst ver\u00f6ffentlicht. <!--more--><\/p>\n<p>Im Rahmes des oipd13 ver\u00f6ffentlichte @mspro einen <a href=\"https:\/\/twitter.com\/mspro\/statuses\/295800367491473408\">Tweet<\/a> mit dem Text \u00bbdie @toxoplasmoese pennt noch. #oipd13\u00ab und einem Photo von ebenjener @toxoplasmoese, schlafend. Dieser Tweet wurde im folgenden auf Twitter aus feministischer Perspektive kritisiert. Gute Auseinandersetzungen mit diesem Tweet und der folgenden Diskussion gibt es von <a href=\"http:\/\/raummaschine.de\/blog\/2013\/01\/30\/post-privacy-backlash\/\">@sofakissen<\/a> und <a href=\"http:\/\/femgeeks.de\/open-oder-protected\/\">@pfefferminz_ bei femgeeks.de<\/a>. @mspro selbst <a href=\"http:\/\/mspr0.de\/?p=3222\">reagierte und reflektierte<\/a> ebenfalls in einem Blogpost.<\/p>\n<p>mspro machte in Tweets und seinem Blogpost deutlich, dass er die Kritik f\u00fcr unangemessen h\u00e4lt: \u00bbDie Situation wurde einfach in eine sexistische Situation umgdeutet, ein Opfer herbeigeredet. Es steckt eine Menge normative Vorverurteilung in dieser Situation, viele unhinterfragte, vielleicht sexistische Vorannahmen: Frauen w\u00fcrden das ja nicht freiwillig tun, Typen sind so r\u00fccksichtslos ihre Freundin zu fotografieren, etc.\u00ab Was er dabei \u00fcbersieht oder nicht wahrhaben will, ist, dass es eben nicht nur \u00bbVorannahmen\u00ab oder \u00bbVorverurteilungen\u00ab sind, sondern klare Realit\u00e4t (wie es bei femgeeks.de hei\u00dft): \u00bbEs ist nicht sonderlich weit her geholt, dass Informationen von Menschen (und insbesondere Frauen) gegen ihren Willen ver\u00f6ffentlicht werden\u00ab. Wer eine solche mutma\u00dfliche Grenz\u00fcberschreitung ver\u00f6ffentlicht, ohne klarzustellen, dass es sich nicht um eine handelt, muss damit leben, dass einige eben erstmal von einer Grenz\u00fcberschreitung ausgehen. Und selbst wenn hinterher klargestellt wird, dass es einvernehmlich war, bleibt immer noch die unkritische Darstellung einer Grenz\u00fcberschreitung, die eben wieder zur Normalisierung dieser beitr\u00e4gt, und \u00bbVorannahmen\u00ab und \u00bbVorverurteilungen\u00ab n\u00e4hrt. Ich sehe da deutliche Parallelen zum Beispiel zu einem <a href=\"http:\/\/maedchenmannschaft.net\/uebergriffigkeit-als-boys-fun-beim-zdf\/\">Vorfall in einer ZDF-Sendung<\/a> vor einiger Zeit.<\/p>\n<p>Interessant finde ich den Vorfall allerdings nicht nur aus feministischer Sicht, sondern auch in Hinblick auf \u00bbPost Privacy\u00ab (ich schrieb zu dem Thema schon mal <a href=\"\/?p=800\">einiges<\/a>). Es f\u00e4llt auf, dass es sich keineswegs um einen Fall von besonderer Transparenz oder Offenheit oder gar um einen Kontrollverlust handelt, sondern vielmehr um bewusste und gesteuerte Selbstinszenierung: Zum einen war die Situation selbst gestellt (\u00bbKurz nach dem Aufstehen fragte mich meine Freundin, ob ich sie nicht f\u00fcr den Open in Public Day fotografieren wolle. Sie stellte sich schlafend, ich machte das Foto und twitterte es.\u00ab), zum anderen wurde die zentrale Information, dass es sich um eine einvernehmliche Sache handelt, nicht mitgeliefert. Das steht im deutlichen Widerspruch zum <a href=\"http:\/\/blog.spackeria.org\/2013\/01\/25\/open-in-public-day-2013\/\">Konzept<\/a> des Tages, in dem es hie\u00df: \u00bbDabei geht es nicht darum, Situationen zu stellen, sondern die \u201cRealit\u00e4t\u201d abzubilden. Stellt Euch vor, Google Glasses w\u00fcrde einfach filmen.\u00ab W\u00e4hrend letzteres noch irgendwie so klingt als k\u00f6nnte es dazu dienen, Kontrollverlust (Vielfach-)Privilegierter zu simulieren, ist das, was mspro daraus macht, eben gerade nicht Kontrollverlust. Umso auff\u00e4lliger ist seine Reaktion in dem Moment, in dem er tats\u00e4chlich die Kontrolle verliert, oder gar nie innehatte, n\u00e4mlich jene \u00fcber die Deutung seiner Selbstinszenierung \u2013 eine ihm unliebsame Deutung, die er h\u00e4tte verhindern k\u00f6nnen, w\u00e4re er in dieser Situation tats\u00e4chlich etwas mehr \u00bbopen in public\u00ab gewesen.<\/p>\n<p>Auff\u00e4llig finde ich auch, dass die Offenheit in diesem Fall gar nicht in erster Linie mspro betrifft, sondern vielmehr @toxoplasmoese \u2013 ein Umstand, der allerdings im Konzept des diesj\u00e4hrigen oipd angelegt ist. Das (geforderte) st\u00e4ndige Ver\u00f6ffentlichen der eigenen Perspektive mag zwar auch Informationen \u00fcber eine_n selbst preisgeben; in erster Linie wird aber eben die eigene Perspektive verst\u00e4rkt, quasi das Subjektive des Subjekts, und das scheint mir bei den \u00fcberwiegend privilegierten Teilnehmer_innen eher unn\u00f6tig.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am Montag rief die \u00bbdatenschutzkritische Spackeria\u00ab zum zweiten Mal zum \u00bbOpen in Public Day\u00ab (oipd13) auf. Letztes Jahr wurde dazu aufgerufen, m\u00f6glichst \u00bbpeinliche\u00ab Photos zu ver\u00f6ffentlichen. 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