Gleichmacherei

Ich bin grundsätzlich sehr davon überzeugt, von Unterschiedlichkeit zwischen Personen auszugehen, sie anzustreben und als gesellschaftliche Ressource zu verstehen; davon, dass Menschen in Gruppen unterschiedliche Rollen haben; davon, dass Beziehungen asymmetrisch sind und sich wandeln. Ich habe aber zunehmend das Gefühl, dass diese Überzeugung von mir und anderen und allgemein gesamtgesellschaftlich und in emanzipatorischen Kreisen genutzt wird, um Machtverhältnisse leichter verdaulich zu machen und unterschiedliche Zugänge zu Ressourcen zu festigen. Daher tendiere ich dazu, zumindest als Zwischenschritt Strukturen und Prozesse einzusetzen, die dazu anregen bzw. teilweise erzwingen, dass alle auf gleiche Art beteiligt sind; die nicht auf Freiwilligkeit und Eigeninitiative basieren. Im Einzelnen sind diese Regelungen glaube ich recht bekannt und gut verstanden, aber zusammen ergeben sie für mich ein Muster, das mich zweifeln lässt wie viel auf Unterschiedlichkeiten eingehen ich eigentlich sinnvoll finde. „Gleichmacherei“ weiterlesen

Die Männer in Stranger Things

Ich habe vor kurzem die ersten beiden Teile von Stranger Things geguckt. Einer der Aspekte die ich an der Serie besonders mag, sind die Männer-Rollen. Die Männer und männlichen Jugendlichen in Stranger Things wirken auf mich in ihrer Vielfalt und Tiefe nicht einfach nur erfrischend, sondern haben mir geradezu schmerzhaft deutlich gemacht, was (mir) so fehlt in Filmen und Serien. Ich picke relativ willkürlich aus, wer mir beim Gucken aufgefallen ist, und analysiere nicht vollständig. Außerdem lasse ich alles andere, was großartig oder auch nicht ist an Stranger Things, aus. Der Text verrät so wenig wie möglich über die eigentliche Handlung. „Die Männer in Stranger Things“ weiterlesen

Geplante Asylrechtsverschärfung

Ein Gesetzentwurf »zur Neubestimmung des Bleiberechts und der Aufenthaltsbeendigung« soll am Donnerstag vom Bundestag verabschiedet werden. Weitere Informationen dazu gibt es bei der Kampagne Asylrechtsverschärfung Stoppen und der Kampagne gegen das neue Asylgesetz 2015. Der Gesetzentwurf sieht unter anderem vor, dass viele nach Deutschland Flüchtenden sofort in »Ausreisegewahrsam« genommen werden können. „Geplante Asylrechtsverschärfung“ weiterlesen

Berufungsverfahren im zweiten #fsa09-Prozess

Im zweiten #fsa09-Prozess gab es noch ein Berufungsverfahren in den letzten Monaten. Es zeichnete sich schon ab, dass das in keine gute Richtung dreht, aber was die Richterin laut taz geurteilt hat, finde ich schon sehr krass. Im Zivilprozess war dem Betroffenen ein Schmerzensgeld von 10.000 Euro zugesprochen worden, für »[einen] Oberlippen-Abriss, Hautabschürfungen, Schwellungen und eine Traumatisierung«. In der ersten Instanz des Strafverfahrens gab es noch 120 Tagessätze für die beiden Hauptbeteiligten. Im Berufungsverfahren wurde jetzt auf 80 bzw. 20 Tagessätze à 50 Euro entschieden.

Was mir daran wirklich aufstößt, ist, dass der Polizist der mich schlug, 80 Tagessätze à 60 Euro zahlen musste. Das ist gleich viel bzw. mehr. Für einen leichten Schlag auf den Rücken. Wer die Nerven und das Geld hat kann sich also aus allem rausprozessieren.

In der taz kommentiert Sebastian Puschner:

Aus vorsätzlicher wird fahrlässige Körperverletzung. Aber wie soll sich der Laie denn bitte schön sonst eine „vorsätzliche“ Körperverletzung vorstellen als so, wie es das Video dokumentiert?